Aus gutem Grund zeigen die Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Osnabrücker Land, Ralf Stolte (links) und Thomas Ruff, entspannte Mienen. Foto: Stefanie Adomeit

Wachstum trotz geringer Zinserträge

sta Hilter. Die florierende Wirtschaft im Osnabrücker Land lässt die sechs Volksbanken zwischen Bad Laer und Bersenbrück vorsichtig optimistisch ins neue Jahr starten. Zwar leiden auch die Genossenschaftsbanken unter niedrigen Zinserträgen, profitieren aber vom Vertrauen ihrer Kunden.

Nach dem Ausnahmejahr 2016 stand das vergangene Jahr für die Volksbanken Bad Laer-Borgloh-Hilter-Melle, Bramgau-Wittlage, Georgsmarienhütte-Hagen-Bissendorf, Osnabrücker Nordland, die Volksbank Osnabrück und die VR Bank im Altkreis Bersenbrück zwar ebenfalls im Zeichen des Wachstums, jedoch eines abgeschwächten.

„Wir haben 2016 mit einem Kundeneinlagenplus von 5,3 Prozent von den angekündigten Negativzinsen anderer Banken profitiert, weil wir Alternativen anbieten konnten“, sagten die Vorstände Thomas Ruff aus Hilter und Frank Stolte aus Bersenbrück als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken-Raiffeisenbanken im Osnabrücker Land in der Hilteraner Volksbank. 2017 kamen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der sechs Volksbanken im Osnabrücker Land immerhin noch auf 3,74 Prozent höhere Einlagen.

„Sie sind erfreulicher Ausdruck des Kundenvertrauens“, das Ruff auf die individuellen Lösungen zurückführt, die die Häuser angeboten hätten. Das Wachstum der Kundenkredite von 3,83 Prozent hält dazu einigermaßen die Waage. Die Bilanzsumme ist um 2,9 Prozent auf knapp 3 Milliarden gestiegen.

Der Trend zum kurzfristig geparkten Geld bleibt, auch im ländlich geprägten Nordkreis. „Wir haben noch eine Genossenschaft mit Bank und Ware“, erklärte Ralf Stolte. Das bedeutet: 10 000 Euro Festgeld und Hühnerfutter gibt es unter einem Dach: „Das ist gelebte Kundennähe.“ Die Agrarkunden hätten eine kritische Zeit durchgemacht, doch jetzt werde wieder Geld verdient. Allerdings sei so schon so viel gebaut worden, dass aktuell mehr Geld in Digitalisierung und Sanierung fließt. „Zudem sind Agrarunternehmen immer von Risiken wie der Schweinegrippe oder dem Milchpreis abhängig.“

Die starke Nachfrage nach Immobilien bleibt. Was fehlt, seien Baugrundstücke und Handwerker. Der Bauboom ist Folge der historisch niedrigen Zinsen. Ruff geht auch 2018 nicht von einem Anstieg aus, frühestens Ende 2019. Die rückläufigen Erträge können die Volksbanken durch das wachsende Kundengeschäft leidlich ausgleichen. „Und wir haben so gut wie keine Kreditausfälle.“

Das Betriebsergebnis liegt bei 0,95 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme. 2016 waren es 1,06 Prozent. „Die stabile Wirtschaftslage im Osnabrücker Land hilft“, merkte Thomas Ruff an. Deshalb sehe er auch 2018 positiv. Selbst die Schließung der Homann-Werke in Dissen und Bad Essen könne die Region gut verkraften. Wachstumshemmend sei lediglich der Fachkräftemangel.

Was alle Branchen umtreibt, beschäftigt auch die Volksbanken: „Die Digitalisierung steht erst am Anfang“, urteilte Ruff. Er sieht die Zukunft des mobilen Bankings im Smartphone, beispielsweise im Scan-to-bank: Rechnung scannen und Überweisung abschicken.

Immer weniger Kunden kämen in die Filialen. Die Folge: Nicht jede könne erhalten werden. „Wir setzen weiter auf die genossenschaftliche Nähe, aber teilweise in anderer Form.“

Nur fünf Prozent der Volksbank-Kunden seien reine Online-Nutzer, ergänzte Stolte. Ein Viertel komme immer in die Filiale. Langfristig erwarten die Banker, dass 80 Prozent beide Varianten nutzen: „Das ist für uns ein Spagat.“ Die Zahl der Mitarbeiter hat sich im vergangenen Jahr von 637 auf 609 verringert, dafür nutze man gerne Renteneintritte, so Ruff.

Keine Verrenkung soll die Fusion der der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück mit der Volksbank Osnabrücker Nordland werden, die im Juni mit dem Votum der Mitglieder offiziell werden soll. Die neue heißt dann VR-Bank im Osnabrücker Nordland und wird eine Bilanzsumme von 590 Millionen Euro und 12 000 Mitglieder haben. „Wir freuen uns, dass es dazu wenig Gegenwind gibt“, sagte Stolte.

Artikel erschienen in der neuen Osnabrücker Zeitung, geschrieben von Dr. Stefanie Adomeit